Social Freezing — Eizellen einfrieren für später
Social Freezing in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Ablauf, ideales Alter, Kosten, Lagerung und was du wissen solltest, bevor du dich entscheidest.
Social Freezing — medizinisch Kryokonservierung von Eizellen — ermöglicht es Frauen, ihre Fruchtbarkeit zu bewahren, indem unbefruchtete Eizellen eingefroren und für einen späteren Kinderwunsch aufbewahrt werden.
Der Begriff „Social" grenzt das Verfahren von der medizinisch indizierten Eizellkonservierung ab (z.B. vor einer Chemotherapie). Beim Social Freezing entscheiden sich Frauen aus persönlichen Gründen für das Einfrieren — etwa weil der richtige Partner fehlt, die Karriere Priorität hat oder der Kinderwunsch auf später verschoben werden soll.
Warum Social Freezing?
Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt ab Mitte 30 deutlich ab — sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen sinkt. Mit 40 ist die natürliche Empfängniswahrscheinlichkeit pro Zyklus nur noch etwa 5 %. Social Freezing bietet die Möglichkeit, Eizellen in einem jüngeren Alter einzufrieren und ihre Qualität zu konservieren.
Entscheidend: Eingefrorene Eizellen altern nicht. Eine Eizelle, die mit 30 eingefroren wird, hat auch nach zehn Jahren Lagerung die gleiche Qualität wie zum Zeitpunkt des Einfrierens.
Das ideale Alter für Social Freezing
Je jünger die Eizellen, desto besser die Chancen:
| Alter beim Einfrieren | Empfohlene Eizellenzahl | Erwartete Schwangerschaftsrate |
|---|---|---|
| Unter 30 | 10–15 Eizellen | Sehr gut (über 70 %) |
| 30–34 | 15–20 Eizellen | Gut (55–70 %) |
| 35–37 | 20–25 Eizellen | Moderat (40–55 %) |
| 38–40 | 25–30 Eizellen | Eingeschränkt (25–40 %) |
| Über 40 | Wird kritisch diskutiert | Deutlich reduziert |
Die meisten Reproduktionsmediziner empfehlen Social Freezing vor dem 36. Lebensjahr — idealerweise zwischen 28 und 34. Ab 38 sinkt das Kosten-Nutzen-Verhältnis, da mehr Zyklen nötig sind, um ausreichend qualitativ gute Eizellen zu gewinnen.
Ablauf des Social Freezing
1. Beratungsgespräch und Diagnostik
Im Erstgespräch werden deine Hormonwerte (AMH, FSH, LH) und die Anzahl der Antralfollikel per Ultraschall bestimmt. Diese Werte geben Aufschluss über deine ovarielle Reserve — also wie viele Eizellen voraussichtlich gewonnen werden können.
2. Hormonelle Stimulation (10–14 Tage)
Durch tägliche Hormonspritzen werden die Eierstöcke stimuliert, um mehrere Eizellen gleichzeitig reifen zu lassen. Das Protokoll ähnelt dem einer IVF-Behandlung, mit regelmäßigen Ultraschall- und Blutkontrollen.
3. Eizellentnahme (Punktion)
Unter kurzer Sedierung werden die reifen Eizellen per ultraschallgesteuerter Punktion entnommen. Der ambulante Eingriff dauert etwa 15–20 Minuten. Die meisten Frauen können am selben Tag nach Hause.
4. Vitrifikation
Die gewonnenen Eizellen werden durch Vitrifikation — ein ultraschnelles Einfrierverfahren — kryokonserviert. Im Gegensatz zum langsamen Einfrieren bilden sich dabei keine schädlichen Eiskristalle. Die Überlebensrate nach dem Auftauen liegt bei modernen Vitrifikationsverfahren bei über 90 %.
5. Lagerung
Die vitrifizierten Eizellen werden in Flüssigstickstoff bei -196 °C gelagert. In diesem Zustand können sie theoretisch unbegrenzt aufbewahrt werden, ohne an Qualität zu verlieren.
Wenn du die Eizellen nutzen möchtest
Wenn der Kinderwunsch konkret wird, werden die Eizellen aufgetaut und per ICSI befruchtet — da bei vitrifizierten Eizellen die Zona pellucida (Eihülle) verhärtet ist, wird fast immer ICSI statt klassischer IVF verwendet. Die weiteren Schritte entsprechen einer regulären IVF-Behandlung: Embryokultur und Transfer.
Kosten
Social Freezing wird in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, da keine medizinische Indikation vorliegt.
Deutschland
- Stimulation + Punktion: 2.500–4.000 Euro pro Zyklus
- Medikamente: 1.000–2.000 Euro
- Vitrifikation: 300–500 Euro
- Jährliche Lagerung: 200–400 Euro
- Gesamtkosten pro Zyklus: 4.000–6.500 Euro
Manche Frauen benötigen zwei Zyklen, um genügend Eizellen zu gewinnen — besonders ab 35.
Österreich
Ähnliche Kostenstruktur: 3.500–6.000 Euro pro Zyklus. Keine Förderung über den IVF-Fonds, da Social Freezing keine medizinische Indikation hat.
Schweiz
Höhere Kosten: 5.000–8.000 CHF pro Zyklus inklusive Medikamente und Vitrifikation. Lagerung: 300–500 CHF pro Jahr.
Versteckte Kosten beachten
Die Gesamtkosten umfassen nicht nur das Einfrieren. Wenn du die Eizellen später verwendest, kommen hinzu:
- Auftauen und ICSI: 2.000–4.000 Euro
- Embryotransfer: Im ICSI-Preis enthalten
- Ggf. weitere Zyklen bei unzureichender Eizellenzahl
Rechtliche Situation im DACH-Raum
Deutschland
Social Freezing ist legal und weit verbreitet. Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze für das Einfrieren. Die Verwendung der Eizellen unterliegt dem Embryonenschutzgesetz — maximal drei Embryonen pro Transfer.
Österreich
Ebenfalls legal. Das österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz erlaubt Social Freezing ohne Einschränkungen. Die Lagerungsdauer ist gesetzlich nicht begrenzt.
Schweiz
Seit der Revision des Fortpflanzungsmedizingesetzes 2017 ist Social Freezing in der Schweiz erlaubt. Die maximale Lagerungsdauer für Eizellen beträgt zehn Jahre, kann aber unter bestimmten Bedingungen verlängert werden.
Häufige Fragen
Wie viele Eizellen sollte man einfrieren?
Als Faustregel empfehlen Experten mindestens 15–20 reife Eizellen für eine realistische Chance auf eine spätere Schwangerschaft. Bei Frauen unter 35 werden pro Zyklus durchschnittlich 10–15 Eizellen gewonnen — oft reicht also ein Zyklus.
Schadet Social Freezing der Fruchtbarkeit?
Nein. Die entnommenen Eizellen wären im natürlichen Zyklus ohnehin verloren gegangen (nur eine reift normalerweise zum Eisprung heran, die restlichen sterben ab). Social Freezing „verbraucht" keine Eizellen, die du sonst genutzt hättest.
Wie lange kann man Eizellen lagern?
Technisch unbegrenzt — in Flüssigstickstoff bei -196 °C findet kein biologischer Zerfall statt. Gesetzliche Fristen variieren je nach Land (z.B. 10 Jahre in der Schweiz).
Gibt es eine Altersgrenze für die Verwendung?
Eine gesetzliche Altersgrenze für die Verwendung eigener eingefrorener Eizellen gibt es in Deutschland und Österreich nicht. Die meisten Kliniken haben jedoch interne Richtlinien und raten von Transfers nach dem 50. Lebensjahr ab. In der Schweiz liegt die empfohlene Altersgrenze bei der Verwendung bei 45 Jahren.
Was passiert mit nicht verwendeten Eizellen?
Du entscheidest. Optionen sind: Weiterlagern, Vernichten oder — in manchen Ländern — Spenden für die Forschung. Eine Spende an andere Patientinnen (Eizellspende) ist in Deutschland nicht erlaubt.