Mit 40 liegt die Chance auf eine natürliche Schwangerschaft pro Zyklus bei etwa 5%. Mit 30 waren es noch 20%. Das ist ein Rückgang um 75% — und der Hauptgrund, warum viele Frauen ab 40 in meine Sprechstunde kommen.

Aber 5% heißt nicht 0%. Und mit medizinischer Unterstützung steigen die Chancen deutlich. Ich erkläre dir, was in deinem Körper passiert, welche Optionen du hast und wo die Grenzen liegen.

Warum sinkt die Fruchtbarkeit ab 40?

Zwei Faktoren spielen zusammen: weniger Eizellen und schlechtere Eizellqualität.

Eine Frau wird mit etwa 1–2 Millionen Eizellen geboren. Mit 37 sind noch rund 25.000 übrig. Mit 40 unter 10.000. Das klingt nach viel, aber nur ein Bruchteil davon reift in jedem Zyklus heran.

Das eigentliche Problem ist die Qualität. Mit zunehmendem Alter steigt die Rate an Chromosomenstörungen in den Eizellen. Bei 40-Jährigen sind etwa 60–70% der Eizellen chromosomal auffällig. Bei 43 sind es über 80%. Diese Eizellen führen entweder zu keiner Befruchtung, keiner Einnistung — oder zu frühen Fehlgeburten.

Alter Nat. Schwangerschaftsrate/Zyklus Chromosomenstörungen Fehlgeburtsrate
35 ca. 15% ca. 30% ca. 15%
38 ca. 10% ca. 40% ca. 20%
40 ca. 5% ca. 60% ca. 30%
42 ca. 2–3% ca. 75% ca. 40%
44+ ca. 1% ca. 85%+ ca. 50%+

Welche Untersuchungen solltest du machen?

Bevor du eine Behandlung startest, brauchst du Klarheit über deine individuelle Situation. Drei Werte sind entscheidend:

AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon): Zeigt, wie viele Eizellen noch da sind. Ein Wert unter 1,0 ng/ml deutet auf eine niedrige Reserve hin. Kostet ca. 30–50 Euro als Selbstzahlerleistung.

Antralfollikelzählung (AFC): Per Vaginalultraschall zählt dein Arzt die kleinen Follikel in den Eierstöcken. Unter 5 pro Seite ist wenig.

FSH am 3. Zyklustag: Ein Wert über 10–12 mIU/ml spricht für eine eingeschränkte Eierstockreserve.

Ich sage meinen Patientinnen: Warte nicht. Lass diese drei Werte so schnell wie möglich bestimmen. Jeder Monat zählt.

Vitamine und Folsäure-Supplemente auf dem Nachttisch

Natürlich schwanger werden mit 40 — geht das?

Ja. Aber rechne mit Zeit. Statistisch dauert es bei 40-Jährigen durchschnittlich 12–18 Monate bis zur natürlichen Schwangerschaft — wenn es klappt. Bei 35-Jährigen sind es 6–9 Monate.

Was du tun kannst:

  • Zyklusmonitoring: Lerne deinen Eisprung kennen. Ovulationstests oder Zyklustracker helfen.
  • Folsäure: 400 µg täglich, am besten schon 3 Monate vor der Empfängnis starten.
  • Lebensstil: Kein Rauchen (reduziert Fruchtbarkeit um 30%), moderater Alkohol, Normalgewicht anstreben.
  • Partner checken: Ein Spermiogramm ist schnell gemacht und schließt männliche Faktoren aus.

Meine Empfehlung: Wenn du über 40 bist und nach 3–6 Monaten nicht schwanger wirst, warte nicht länger. Geh zum Reproduktionsmediziner.

Ärztin berät am Laptop über Fruchtbarkeitsoptionen ab 40

Kinderwunschbehandlung ab 40

IUI (Intrauterine Insemination)

Bei IUI werden aufbereitete Spermien direkt in die Gebärmutter eingebracht. Erfolgsrate bei Frauen über 40: 5–8% pro Versuch. Ich bin ehrlich — bei Frauen über 40 empfehle ich IUI nur selten, weil die Erfolgsraten zu niedrig sind. Die Methode kostet 200–600 Euro pro Versuch und ist eher etwas für jüngere Patientinnen mit offenen Eileitern.

IVF und ICSI

Die IVF ist bei Frauen über 40 die Methode mit den besten Chancen. Erfolgsraten:

Alter Schwangerschaftsrate pro IVF-Zyklus Baby-Take-Home-Rate
40 ca. 20–25% ca. 15%
41 ca. 15–20% ca. 12%
42 ca. 10–15% ca. 8%
43 ca. 5–10% ca. 5%
44+ ca. 3–5% ca. 2%

Ein IVF-Zyklus kostet 3.500–6.500 Euro. Mehr zu den Kosten findest du hier. Die Krankenkasse übernimmt 50% für bis zu drei Versuche — aber nur bis zum 40. Geburtstag. Danach trägst du die Kosten allein.

PGT-A (Embryo-Gentest)

Bei PGT-A werden die Embryonen vor dem Transfer auf Chromosomenstörungen untersucht. Gerade bei Frauen über 40 macht das Sinn: Statt drei oder vier Transfers mit chromosomal auffälligen Embryonen durchzuführen, transferierst du nur den einen, der chromosomal unauffällig ist.

Das erhöht die Einnistungsrate pro Transfer auf 50–60% — deutlich besser als ohne Test. Aber: Nicht jeder Zyklus liefert einen unauffälligen Embryo. Manchmal braucht es mehrere Stimulationszyklen.

Eizellspende

Wenn die eigene Eizellreserve erschöpft ist, bleibt die Eizellspende als Option. In Deutschland ist sie verboten. In Österreich seit 2015 erlaubt, ebenso in Spanien, Tschechien und Griechenland. Die Erfolgsraten sind hoch — 50–60% pro Transfer — weil die Spenderin jung ist (unter 35).

Kostenpunkt: 5.000–8.000 Euro pro Zyklus (exkl. Reise und Unterkunft).

Kosten und Kassenleistung ab 40

Hier liegt das Problem: Ab dem 40. Geburtstag streicht die gesetzliche Krankenkasse die Kostenübernahme für IVF und ICSI. Private Versicherungen haben oft großzügigere Altersgrenzen (bis 43 oder 45).

In Österreich übernimmt der IVF-Fonds die Kosten bis zum 40. Geburtstag. In der Schweiz gibt es keine Altersgrenze für die Selbstzahlerbehandlung, aber auch keine Kassenleistung.

Häufige Fragen

Kann ich mit 40 noch auf natürlichem Weg schwanger werden?

Ja, aber die Wahrscheinlichkeit liegt bei ca. 5% pro Zyklus. Statistisch wird etwa die Hälfte aller Frauen, die mit 40 aktiv versuchen schwanger zu werden, innerhalb von 12 Monaten schwanger — allerdings steigt das Fehlgeburtsrisiko auf 30%.

Bis wann kann ich IVF machen?

Medizinisch gibt es keine strikte Obergrenze. Die meisten deutschen Kliniken behandeln bis 45, einige bis 50 (mit Spendereizellen). Die Krankenkasse zahlt nur bis 40. Ab 43 sinken die Erfolgsraten mit eigenen Eizellen auf unter 5% pro Zyklus.

Lohnt sich Social Freezing mit 40 noch?

Nur bedingt. Der ideale Zeitpunkt für Social Freezing liegt zwischen 30 und 35. Mit 40 brauchst du deutlich mehr Zyklen, um genügend qualitativ gute Eizellen einzufrieren, und die Erfolgsraten sind niedriger. Wenn du jetzt keinen Partner hast, kann es trotzdem sinnvoll sein — aber die Erwartungen müssen realistisch sein.

Was kostet Kinderwunschbehandlung ab 40?

Ohne Kassenleistung zahlst du alles selbst: IVF kostet 3.500–6.500 Euro pro Zyklus, ICSI 4.500–7.000 Euro. Bei durchschnittlich 3–4 Zyklen landest du bei 15.000–25.000 Euro. Manche Kliniken bieten vergünstigte Mehrfach-Pakete an. Vergleiche die Angebote auf Fertilio.

Ist eine Schwangerschaft mit 40 riskanter?

Ja. Das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Kaiserschnitt ist erhöht. Auch das Risiko für chromosomale Auffälligkeiten beim Kind steigt (Trisomie 21: 1:100 mit 40 vs. 1:1.250 mit 25). Eine engmaschige Betreuung durch deinen Frauenarzt ist deshalb Pflicht.

DmLS

Über den Autor

Dr. med. Laura Seidel

Fachärztin für Reproduktionsmedizin

Dr. Laura Seidel ist Fachärztin für Gynäkologie und Reproduktionsmedizin mit über 12 Jahren Erfahrung in der Kinderwunschbehandlung. Sie hat an der Charité Berlin promoviert und in führenden IVF-Zentren in Deutschland und Österreich gearbeitet.