Ein einzelner Bluttest kann dir sagen, wie viele Eizellen du noch hast. Er kostet zwischen 30 und 50 Euro. Trotzdem lassen sich die meisten Frauen erst testen, wenn es längst Probleme gibt.
In meiner Sprechstunde sehe ich das jede Woche. Paare kommen nach zwei Jahren erfolglosen Übens. Die Frau ist 36, der Hormonstatus war nie ein Thema. Dann zeigt der AMH-Wert 0,4 ng/ml — und plötzlich wird es eilig.
Ich sage dir hier konkret, welche Fruchtbarkeitstests es gibt, was sie kosten und wann du sie machen solltest. Aufgeschlüsselt für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Warum überhaupt Fruchtbarkeit testen?
Deine Fruchtbarkeit ist kein An-Aus-Schalter. Sie nimmt ab — schleichend und individuell. Manche Frauen haben mit 38 eine Eizellreserve wie mit 28. Andere sind mit 32 deutlich eingeschränkt.
Das Problem: Du merkst es nicht. Dein Zyklus kann regelmäßig sein, deine Periode kommt pünktlich — und trotzdem ist die Eizellreserve niedrig. Nur ein Test liefert Klarheit.
Ich empfehle eine Basisdiagnostik in drei Fällen:
1. Du planst eine Schwangerschaft in den nächsten 1–3 Jahren und willst wissen, wie viel Zeit du hast.
2. Du bist über 30 und denkst über Social Freezing nach. Ohne AMH-Wert ist keine seriöse Beratung möglich.
3. Du versuchst seit 6–12 Monaten schwanger zu werden — ohne Erfolg. Ab hier sprechen wir medizinisch von eingeschränkter Fertilität.
Falls du über 35 bist und aktiv versuchst schwanger zu werden, lies auch unseren Artikel Kinderwunsch über 35. Dort gehe ich auf die altersabhängigen Erfolgschancen ein.
Die wichtigsten Fruchtbarkeitstests im Überblick
Es gibt nicht den einen Fruchtbarkeitstest. Deine Fruchtbarkeit ist ein Zusammenspiel aus Eizellreserve, Hormonstatus, Eileiter-Durchgängigkeit und Gebärmutter-Anatomie. Jeder Test beantwortet eine andere Frage.
AMH-Test (Anti-Müller-Hormon)
Der AMH-Wert ist der aussagekräftigste Einzelmarker für deine Eizellreserve. Er zeigt, wie viele Eizellen in deinen Eierstöcken noch heranreifen können.
Was wird gemessen? Eine einfache Blutabnahme. Das Ergebnis liegt nach 2–5 Werktagen vor.
Wann? Zyklusunabhängig — du kannst den Test an jedem Tag machen lassen.
Normwerte (25–35 Jahre): 1,0–5,0 ng/ml. Unter 1,0 ng/ml gilt als verminderte Reserve. Über 5,0 ng/ml kann auf PCO-Syndrom hinweisen.
Kosten: 30–50 Euro. Das ist die günstigste und informativste Untersuchung, die es gibt. Kein anderer Test liefert für so wenig Geld so viel Klarheit.
AFC (Antralfollikelzählung)
Der AFC wird per vaginalem Ultraschall bestimmt. Ich zähle die kleinen Follikel (2–10 mm) in beiden Eierstöcken. Jeder Follikel enthält eine potenziell reifungsfähige Eizelle.
Was wird gemessen? Transvaginaler Ultraschall, Dauer etwa 10 Minuten.
Wann? Am Zyklusbeginn — idealerweise Tag 2 bis 5.
Normwerte: 8–15 Antralfollikel beidseitig gelten als normal. Unter 5 ist auffällig niedrig. Über 20 spricht für PCO-Syndrom.
Kosten: 30–80 Euro als IGeL-Leistung. In Kombination mit der gynäkologischen Untersuchung oft günstiger.
AMH und AFC zusammen ergeben das zuverlässigste Bild deiner ovariellen Reserve. Ich bestimme in meiner Praxis immer beides.

Hormonstatus (FSH, LH, Östradiol)
Die Bestimmung von FSH (follikelstimulierendes Hormon), LH (luteinisierendes Hormon) und Östradiol erfolgt über eine Blutabnahme am 3. Zyklustag.
Was wird gemessen? FSH zeigt, wie stark dein Körper die Eierstöcke stimulieren muss. Ein hoher FSH-Wert (über 10 mIU/ml) bedeutet: Die Eierstöcke brauchen mehr Antrieb — weil weniger Eizellen antworten.
Wann? Tag 2–4 des Zyklus. Das Timing ist hier entscheidend.
Zusätzlich sinnvoll: Prolaktin, TSH (Schilddrüse), Testosteron und DHEA-S. Schilddrüsenprobleme sind bei jeder 5. Frau mit Kinderwunsch eine Ursache für ausbleibende Schwangerschaft.
Kosten: 40–100 Euro für das Basisprofil. Erweiterte Hormondiagnostik mit Schilddrüse und Androgenen: 80–180 Euro.
Eileiterdurchgängigkeitsprüfung (HSG / HyCoSy)
Verklebte oder blockierte Eileiter sind bei rund 25–30% aller Frauen mit Kinderwunschproblemen die Ursache. Ohne durchgängige Eileiter kann die Eizelle die Spermien nicht treffen — egal wie gut deine Eizellreserve ist.
HSG (Hysterosalpingografie): Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel. Gold-Standard, aber unangenehm. Dauer: 15–20 Minuten. Wird unter Durchleuchtung durchgeführt.
HyCoSy: Ultraschall-basierte Alternative. Weniger belastend, keine Strahlung, etwas weniger aussagekräftig als HSG.
Wann? Erste Zyklushälfte, nach der Menstruation, vor dem Eisprung. Meist Tag 6–12.
Kosten: 200–400 Euro für HSG, 150–300 Euro für HyCoSy. Das ist der teuerste Einzeltest in der Basisdiagnostik.
Kostenübersicht: Was Fruchtbarkeitstests in DE, AT und CH kosten
Hier die konkreten Preise — Stand 2026, basierend auf den Abrechnungen, die ich aus meiner Praxis und von Kolleginnen kenne:
| Test | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| AMH-Test | 30–50 € | 25–60 € | 50–90 CHF |
| AFC (Ultraschall) | 30–80 € | 25–70 € | 80–150 CHF |
| Hormonstatus (Basis: FSH, LH, Östradiol) | 40–100 € | 35–90 € | 80–160 CHF |
| Erweitertes Hormonprofil (+ Schilddrüse, Androgene) | 80–180 € | 70–160 € | 150–280 CHF |
| Eileiterdurchgängigkeit (HSG) | 200–400 € | 180–350 € | 350–600 CHF |
| Eileiterdurchgängigkeit (HyCoSy) | 150–300 € | 130–280 € | 280–500 CHF |
| Komplette Basisdiagnostik (AMH + AFC + Hormone) | 100–230 € | 85–220 € | 210–400 CHF |
Die Basisdiagnostik — AMH, AFC und Hormonstatus — bekommst du in Deutschland für unter 250 Euro. Das ist weniger als ein Wochenendtrip. Und es gibt dir die wichtigste Information deines reproduktiven Lebens.
Wann solltest du dich testen lassen?
Meine Empfehlung ist klar gestaffelt:
Ab 25: Wenn du weißt, dass du irgendwann Kinder willst, ist ein AMH-Test sinnvoll. Nicht zwingend nötig — aber 30 Euro für Planungssicherheit sind gut investiert.
Ab 30: AMH + AFC als Basischeck. Besonders wenn Schwangerschaft erst in 3–5 Jahren geplant ist. Hier entscheidet sich, ob Social Freezing eine Option sein sollte.
Ab 35: Vollständige Basisdiagnostik (AMH, AFC, Hormonstatus). Die Eizellreserve sinkt ab 35 beschleunigt — pro Jahr verlierst du statistisch 10–15% deiner verbliebenen Eizellen. Wer mit über 40 schwanger werden will, braucht diese Zahlen früh.
Nach 6 Monaten Kinderwunsch (ab 35): Sofort vollständige Diagnostik inklusive Eileiterdurchgängigkeit. Nicht ein Jahr warten. Die Zeit arbeitet gegen dich.
Nach 12 Monaten Kinderwunsch (unter 35): Jetzt ist eine umfassende Abklärung Standard — auch beim Mann. Ein Spermiogramm gehört immer dazu.
Was zahlt die Krankenkasse?
Die Kostenübernahme hängt davon ab, warum du den Test machst. Das Muster ist in allen drei Ländern ähnlich: Diagnostik bei medizinischer Indikation ja — reine Vorsorge nein.
Deutschland
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Fruchtbarkeitstests, wenn ein konkreter Verdacht auf Unfruchtbarkeit besteht. Konkret: 12 Monate ungeschützter Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaft (6 Monate ab 35). Dann zahlt die Kasse Hormonstatus, Ultraschall und Eileiterdurchgängigkeit.
Ein reiner AMH-Test als Vorsorge ist keine Kassenleistung. Du zahlst 30–50 Euro selbst. Private Krankenversicherungen sind großzügiger — die meisten PKV-Tarife erstatten die gesamte Diagnostik.
Österreich
Die ÖGK übernimmt die Diagnostik bei nachgewiesener Infertilität. Ohne ärztliche Überweisung und Indikation zahlst du als Privatpatientin. Viele Wahlärztinnen in Wien und Graz bieten Fruchtbarkeits-Checks als Paket an: AMH + AFC + Hormonstatus für 120–200 Euro.
Schweiz
Die Grundversicherung deckt Fruchtbarkeitsdiagnostik bei medizinischer Indikation. Hormone und Ultraschall gehen über die reguläre Franchise. HSG wird oft separat abgerechnet. Rechne bei einer vollständigen Abklärung mit einem Selbstbehalt von 200–400 CHF je nach Franchise-Stufe.

Was mache ich mit den Ergebnissen?
Zahlen allein helfen dir nicht. Du brauchst jemanden, der sie interpretiert — im Kontext deines Alters, deiner Krankengeschichte und deiner Pläne.
AMH niedrig, aber du bist 28? Kein Grund zur Panik, aber ein Grund zum Handeln. Social Freezing sollte auf deinen Radar.
AMH normal, aber FSH erhöht? Das kann auf eine beginnende Abnahme der Eierstockfunktion hinweisen, auch wenn die Reserve noch da ist.
Eileiter einseitig verschlossen? Deine Chancen auf natürliche Empfängnis halbieren sich, aber eine IVF umgeht das Eileiter-Problem komplett.
Wenn du unsicher bist, welche Schritte für dich sinnvoll sind, nutze unseren Online-Berater. Er hilft dir, basierend auf deiner Situation die passende Klinik und den richtigen nächsten Schritt zu finden.
Häufige Fragen
Kann ich einen Fruchtbarkeitstest beim Frauenarzt machen lassen?
Ja. Jede gynäkologische Praxis kann AMH bestimmen und einen vaginalen Ultraschall für die Antralfollikelzählung durchführen. Für die Eileiterdurchgängigkeit brauchst du in der Regel eine Überweisung in eine Kinderwunschklinik oder radiologische Praxis. In meiner Erfahrung ist der gynäkologische Erstcheck (AMH + AFC + Hormone) in der normalen Praxis völlig ausreichend. Spezialkliniken brauchst du erst, wenn etwas auffällig ist. Einen Überblick über Kliniken in deiner Nähe findest du auf unserer Kliniksuche.
Wie aussagekräftig sind Fruchtbarkeitstests für zu Hause?
Wenig. Die meisten Heimtests messen FSH im Urin — ein einzelner Parameter, der stark schwankt und isoliert betrachtet kaum etwas aussagt. Ein AMH-Bluttest beim Arzt kostet 30 Euro und ist um ein Vielfaches aussagekräftiger. Spar dir die 25 Euro für den Drogerietest und investiere sie in einen richtigen AMH-Wert.
Wie oft sollte ich den Fruchtbarkeitstest wiederholen?
Der AMH-Wert sinkt langsam und stetig. Wenn dein erstes Ergebnis unauffällig war, reicht eine Kontrolle alle 2 Jahre. Bei grenzwertigen Ergebnissen (AMH 0,7–1,2 ng/ml) empfehle ich eine Kontrolle nach 6–12 Monaten. Der AFC kann sich von Zyklus zu Zyklus leicht unterscheiden — ich schaue deshalb immer AMH und AFC zusammen an, nie isoliert.
Tut die Eileiterdurchgängigkeitsprüfung weh?
Die HSG ist unangenehm, nicht wirklich schmerzhaft. Die meisten Patientinnen beschreiben es als starke Menstruationskrämpfe, die 30–60 Sekunden anhalten. Ich empfehle 600 mg Ibuprofen eine Stunde vorher. Die HyCoSy ist in der Regel besser verträglich. Beide Untersuchungen dauern unter 20 Minuten. Danach kannst du normal nach Hause gehen.
Was kostet eine komplette Fruchtbarkeitsdiagnostik insgesamt?
Wenn du AMH, AFC, Hormonstatus und Eileiterdurchgängigkeit zusammenrechnest, landest du in Deutschland bei 300–650 Euro. Ohne Eileitertests bei 100–230 Euro. In Österreich ist es etwas günstiger, in der Schweiz teurer. Viele Kinderwunschzentren bieten Erstberatungspakete an, die günstiger sind als Einzeltermine beim Gynäkologen. Frag gezielt nach Paketpreisen.